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Weil auch keiner Oma erschießt!

Ich hasse es, gefragt zu werden, warum ich Skipper nicht einfach einschläfern lasse. Ja, verdammt noch mal, er ist 13 Jahre alt und dement. Dass er überdies fast blind und inzwischen stark schwerhörig ist, macht das Leben nicht leichter. Na und?

Es ist mein Leben und natürlich das von meiner Bärmaus. Skipper, Orion von Hamels Hof, leidet wie seine vor fast drei Jahren verstorbene Cousine Grappa an canine cognitive dysfunction (CCD), also dem kognitiven Dysfunktionssyndrom, auch senile Demenz oder Altersdemenz genannt. Mit anderen Worten: Der alte Plüschmann hat Honig im Kopf. Er zeigt dieselben Symptome wie ein Mensch, der an Demenz leidet. Für die, die nicht dement sind, ist das ziemlich anstrengend.

Die absterbenden Nervenzellen im Gehirn bewirken eine Art von Rückwärtsentwicklung im Zeitraffer: In der in Millionen von Jahren evolvierten komplexesten Struktur, die wir kennen; in dem zu faszinierenden Leistungen fähigen Wirbeltiergehirn gewinnt zunehmend das als Hirnstamm verbliebene Reptiliengehirn wieder die Oberhand. Stark vereinfacht ausgedrückt. Das bedeutet: Alte Ängste sind wieder da, und immer weniger Nervenzellen in der Großhirnrinde verarbeiten diese Emotionen.

Ein Hund steht vor einer Glastür und schaut in sein Speigelbild.
„Erinnerst du dich?“: Skipper hält heute öfters inne, als wisse er nicht mehr, wohin er eigentlich gehen wollte.

Zu den typischen Symptomen von Demenz gehört daher eine zunehmende Unfähigkeit, bewusste Entscheidungen zu treffen. Dazu zählt auch, dass gelerntes Verhalten schwieriger abzurufen ist. In Skippers Fall ist das Abrufen von erlerntem Verhalten noch mal schwieriger, weil er meine Handsignale nicht mehr sehen kann und Signalwörter nur noch hört, wenn ich sie ihm entgegenbrülle. All die Verluste, die mit der Demenz kommen, bedeuten jedoch ganz sicher nicht automatisch auch den Verlust der Lebensfreude.

Gestern Abend rollte ich Skipper eine frisch aus der Schote gepulte Erbse zu. Er hat sich so darüber gefreut, dass er aufgestanden ist von seiner Decke – übrigens trotz Spondylose und Arthrose mühelos – und sich schwanzwedelnd vor mir aufbaute. Natürlich hat er noch ein paar mehr Erbsen von mir bekommen. In diesem Moment habe ich beschlossen, heute diesen Blogbeitrag zu schreiben. Denn: Drei Stunden zuvor hatte mich jemand gefragt: „Kennst du keinen Jäger? Der geht mit deinem Hund in den Wald und löst das Problem.“

Es war nicht das erste Mal, dass ich den Ratschlag bekommen habe, Skippers Leben zu beenden. Sogar Menschen, die mir sehr, sehr nahestehen, haben mir schon gesagt: „Es wäre okay.“ Nein, für mich ist es nicht okay, einen Hund einschläfern zu lassen, weil das Zusammenleben mit ihm für mich mit Einschränkungen verbunden ist. Und es ist kein bisschen mehr okay geworden an seinem 13. Geburtstag, als er ein „schönes Alter“ erreichte.

Ein Buch, das mir sehr geholfen hat und immer wieder hilft, ist „Remember Me?“ von Eileen Anderson. Leider gibt es noch kein vernünftiges deutschsprachiges Buch über das kognitive Dysfunktionssyndrom bei Hunden. Vielleicht sollte ich selbst eins schreiben. Übrigens antworte ich normalerweise auf die Frage, warum ich Skipper nicht einschläfern lasse, mit: „Weil du deine Großmutter auch nicht umbringst, wenn sie Alzheimer hat.“ Gestern habe ich lieber nichts gesagt. Am Ende wäre sonst womöglich eine Waffe gezückt worden …

[Dieser Beitrag ist ursprünglich in meinem Blog „An der Leine – Hundeleben in Hannover“ erschienen. Der ursprüngliche Beitrag ist bei Facebook mehr als 5500-mal geliked worden.]

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